17.07.2008
Die Geschäftsführer des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), Lutz Aigner und Peter Kellermann, zogen heute eine Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres und warfen einen Blick auf aktuelle Vorhaben im HVV.
Fahrgastrekord 2007 - weitere Steigerung für 2008 erwartet
Auch im Jahr 2007 setzte sich der Erfolg des Hamburger Verkehrsverbundes fort: 618,0 Millionen Fahrgäste nutzten Bahnen, Busse und Schiffe im HVV. Das bedeutet einen Anstieg von 2,9 Prozent im Vergleich mit dem Jahr 2006. Dies ist besonders bemerkenswert, da das Jahr 2006 nicht zuletzt durch die Fußballweltmeisterschaft bereits eine Rekordfahrgastzahl aufwies, die nun noch einmal übertroffen wurde.
Die Fahrgeldeinnahmen erhöhten sich 2007 durch den Anstieg der Fahrgastzahl und die Mitte des Jahres erfolgte Tarifanhebung von 3,5 Prozent um 26 Millionen Euro (5,2 Prozent) auf 529,9 Millionen Euro.
Im vergangenen Jahr gab es eine Reihe von neuen Angeboten im Tarifbereich:
Seit Ende April bietet der HVV die Möglichkeit, die wichtigsten Einzelkarten per Handy zu kaufen. Mitte 2007 wurden die Kurzstreckenkarte für 1,30 Euro sowie von der Stadt Hamburg der Familienpass und die Sozialkarte eingeführt, mit denen um 5 Euro vergünstigte Zeitkarten erhältlich sind. Außerdem bietet der HVV seit Jahresbeginn 2008 für Hamburger 1‑Euro-Jobber ein preisgünstiges Job-Ticket für 39,80 Euro an. Für Pendler aus den niedersächsischen Landkreisen Soltau-Fallingbostel, Rotenburg und Cuxhaven wurden Anfang 2008 Übergangstarife eingeführt, sodass sie mit nur einer Fahrkarte den HVV mitbenutzen können.
Besonders gut angenommen haben die Fahrgäste die neue Kurzstreckenkarte für 1,30 Euro. Seit Einführung wurden über 12 Millionen dieser Fahrkarten verkauft. Im Gegenzug ging der Verkauf der Nahbereichskarte für 1,65 Euro zurück, dies wurde aber vom Verkaufserfolg der Kurzstreckenkarte mehr als ausgeglichen: Per Saldo ist nach einem Jahr ein Plus von etwa 3,2 Millionen Euro entstanden.
Überdurchschnittlich hoch fiel der Nachfragezuwachs im Berufsverkehr aus. Beim allgemeinen Abonnement und beim Großkundenabonnement (Jobticket) stieg die Fahrgastzahl um 5,8 Prozent. Der anhaltende Beschäftigten- und Einwohnerzuwachs in Hamburg und den Umlandkreisen stützte diese Entwicklung.
Für das Jahr 2008 erwartet der HVV einen Nachfragezuwachs von etwa 2 Prozent. Weitere Angebotsverbesserungen wie die Ende dieses Jahres in Betrieb gehende Flughafen-S-Bahn werden auch in den folgenden Jahren zum Wachstum beitragen. Zudem stützt das über dem Bundesdurchschnitt liegende Wirtschaftswachstum der Hamburger Region mit steigender Beschäftigten- und Bevölkerungszahl die Nachfrage im HVV. Hamburgs Klimaschutzprogramm und die aktuellen Luftreinhalte-Diskussionen werden ebenfalls eine stärkere Nutzung von Bus und Bahn bewirken.
Neue Verkehrsangebote und mehr Qualität
Trotz gekürzter Finanzmittel vom Bund konnte 2007 das Verkehrsangebot im HVV nicht nur erhalten, sondern deutlich ausgebaut und verbessert werden. Dies belegt die große Bedeutung, die die Gesellschafter des HVV (Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und die sieben an Hamburg grenzenden Kreise) dem öffentlichen Nahverkehr zumessen.
Im Süden
Die seit dem 9. Dezember 2007 bis nach Stade verlängerte S-Bahn-Strecke hat im Hinblick auf die Fahrgastnachfrage alle Erwartungen übertroffen. Schon wenige Wochen nach Betriebsaufname musste die S-Bahn Hamburg einige Züge verlängern. Darüber hinaus wurde der HVV-Fahrplan ab 16. Juni 2008 morgens durch zwei zusätzliche Fahrten ab Buxtehude und eine zusätzliche Fahrt ab Stade verdichtet.
Ebenfalls im Dezember hat die Metronom-Eisenbahngesellschaft die Bedienung der Strecke Hamburg – Cuxhaven (bis Himmelpforten im HVV) übernommen. Die modernen Metronom-Doppelstockwagen ergänzen den Takt der S-Bahn, sodass ab Stade auch in den Nebenverkehrszeiten mindestens alle halbe Stunde ein Zug nach Hamburg fährt.
Der Erfolg der neuen Verbindungen zeigt, dass bei attraktiven Angeboten viele Menschen bereit sind, auf den ÖPNV umzusteigen. So hat sich die Fahrgastzahl auf der Linie S3 nach der Verlängerung bis Stade von täglich 160.000 auf 200.000 Fahrgäste erhöht. Die ebenfalls beobachtete deutlich gestiegene Nachfrage auf den Metronom-Linien soll im Laufe des Jahres mit Fahrgastzählungen belegt werden.
In Hamburg
Im Rahmen des Hamburger Klimaschutzkonzepts wurde im Dezember 2007 der 5‑Minuten-Takt der U-Bahn um 1 bis 1,5 Stunden verlängert. Damit verkehrt die U‑Bahn zwischen der Innenstadt und Billstedt, Wandsbek Markt, Barmbek, Ohlsdorf sowie Hagenbecks Tierpark montags bis freitags bis 21 Uhr alle fünf Minuten.
Daneben hat der HVV das Busangebot ergänzt. So wurde 2007 zwischen Harburg, Finkenwerder und der Rüschhalbinsel die neue Stadtbuslinie 146 eingerichtet und auf den Metrobuslinien 6 (Borgweg – Rathaus / Hafencity) und 13 (Veddel – Kirchdorf Süd) die Fahrtenhäufigkeit deutlich erhöht. Auf den Metrobus-Linien 20 (Bf Altona – S-Bahn Rübenkamp) und 25 (Bf Altona – U-Bahn Burgstraße) setzt die Hochbahn seit Mai 2008 anstelle von Stadtbussen Gelenkbusse ein und erhöht damit die Beförderungskapazität auf diesen Linien um 20 Prozent.
Auch im Haltestellenbereich wird den Fahrgästen mehr Qualität geboten. Die Deutsche Bahn hat 2007 gemeinsam mit der Stadt Hamburg und mit dem HVV das Programm zur Attraktivitätssteigerung von 21 Hamburger S-Bahn-Stationen eingeläutet. Parallel hat der HVV die Initiative ergriffen, um das Umfeld von U-Bahn- und S-Bahn-Haltestellen zu verbessern. Dazu mussten zunächst die zuständigen Institutionen, z. B. Stadtreinigung, Hamburger Hochbahn, P+R-Betriebsgesellschaft, Bezirksamt, DB Station und Service, DB Netz, an einen Tisch gebracht werden. Erster Erfolg: In diesem Jahr kooperieren die Verantwortlichen bei der Aufwertung der Haltestellen Veddel, Neuwiedenthal und Ohlsdorf. Die Zusammenarbeit soll den Informationsfluss über aufgetretene Mängel erleichtern und deren Beseitigung beschleunigen. Langfristig soll dieses Modell auch an anderen Haltestellen angewendet werden.
Der Ausbau geht weiter: Flughafen-S-Bahn und Busnetz
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2008 geht die S-Bahn-Verbindung zum Flughafen Fuhlsbüttel in Betrieb. Hierfür wird die Linie S1 am S-Bahnhof Ohlsdorf „geflügelt“: Ein Zugteil fährt, vom Hauptbahnhof kommend, weiter durch den neu erbauten Tunnel direkt zum Flughafen, der andere Teil fährt weiter nach Poppenbüttel. Morgens wird die erste Bahn etwa um halb fünf am Flughafen ankommen, die letzte Abfahrt wird kurz nach Mitternacht sein. Parallel zur Fertigstellung der S-Bahn-Anbindung werden in diesem Bereich die Buslinien angepasst.
Die in den vergangenen Jahren stetig steigenden Fahrgastzahlen machen sich auch auf den Buslinien bemerkbar. Gerade im Metrobusnetz hat der HVV eine überdurchschnittlich steigende Nachfrage zu verzeichnen. Angebotsverstärkungen wie auf den Linien 20 und 25 werden von den Fahrgästen gerne angenommen. Deshalb plant der HVV zusammen mit der Hochbahn, im Laufe des kommenden Jahres auf der Metrobuslinie 26 zwischen Bahnhof Rahlstedt und S-Bahn Rübenkamp ebenfalls Gelenkbusse einzusetzen. Darüber hinaus werden Überlegungen zur Ergänzung des Stadtbusnetzes weitergeführt, um den Fahrgästen künftig noch mehr direkte, umsteigefreie Verbindungen zu bieten.
Hohe Benzinpreise und autofreie Sonntage erleichtern das Umsteigen
Auch wenn das stetig verbesserte HVV-Angebot und die steigenden Beschäftigten- und Einwohnerzahlen im HVV-Gebiet die Grundlage für den Fahrgastzuwachs bilden, trugen die schon seit 2007 deutlich steigenden Benzinpreise ihren Teil dazu bei. In diesem Jahr erreichten sie neue Rekordstände. Beim HVV sind parallel vor allem im Berufsverkehr überdurchschnittliche Wachstumsraten zu verzeichnen. Allein in den ersten fünf Monaten 2008 hat der HVV 7.600 (+ 3,1 %) neue Abonnenten bei allgemeinen Zeitkarten und beim Jobticket gewonnen. Dieser Zuwachs ist mehr als doppelt so hoch wie in den ersten fünf Monaten 2007 mit 3.600 neuen Abonnenten. Dies lässt vermuten, dass Berufspendler besonders empfindlich auf die in den ersten Monaten 2008 noch einmal kräftig gestiegenen Kraftstoffpreise reagieren und auf den HVV umsteigen.
Eine aktive Unterstützung für das Umsteigen vom Auto auf den HVV stellen zudem die vom Hamburger Senat initiierten autofreien Sonntage dar, an denen kostenlos das gesamte HVV-Netz genutzt werden kann. Unter dem Motto „Freie Fahrt fürs Klima“ finden diese Aktionstage in diesem Jahr viermal statt.
Die ersten zwei Aktionstage am 20. Januar und 20. April brachten dem HVV bis zu 30 Prozent mehr Fahrgäste. Obwohl niemand gezwungen wurde, das Auto stehen zu lassen, verzeichnete die Stadt zugleich einen zum Teil deutlich verringerten PKW-Verkehr. Da öffentliche Verkehrsmittel im Vergleich mit dem Auto durchschnittlich pro Person zwei Drittel weniger Kraftstoff verbrauchen, sind autofreie Sonntage mit ihrer Werbung für den ÖPNV ein effektiver Beitrag zum Klimaschutz. Die Einnahmenausfälle aufgrund der HVV-Freifahrt trägt die Stadt Hamburg.
Um zum dauerhaften Umsteigen zu animieren, bot der HVV am ersten autofreien Sonntag ein 3-Monate-Probe-Abo für alle Zeitkartensorten an. Dieses Angebot nahmen 4279 Personen an, von denen am Ende 1.555 Personen ihr Abo unbefristet weiterführten, davon 721 nur aufgrund der Aktion. Am zweiten autofreien Sonntag bot der HVV ein Probe-Abo für CC-Karten an, um gezielt für die HVV-Nutzung in der Freizeit zu werben. Knapp 900 Kunden griffen bei diesem Probe-Abo zu.
Neu ab 2008: Qualitätssteuerung mit Bonus-Malus-Regelung
Nach gründlicher Vorbereitung und einer Testphase vereinbart der HVV in diesen Tagen mit den vier großen Unternehmen im HVV-Kerngebiet ein Qualitätssteuerungssystem mit Bonus-Malus-Regelung. Wirksam wird das Verfahren erstmals für das Jahr 2008, beteiligt sind die Hamburger Hochbahn, die S-Bahn Hamburg, die VHH-PVG-Unternehmensgruppe und die HADAG.
So funktioniert es:
Die regelmäßig stattfindenden Qualitätsmessungen und –bewertungen bestehen aus drei Komponenten:
· Befragungen der Kunden zu ihrer Zufriedenheit mit bestimmten Qualitätsmerkmalen,
· von HVV-Mitarbeitern durchgeführten Qualitätstests an Haltestellen und in Fahrzeugen,
· Messung und Bewertung der Pünktlichkeit.
So bewerten z. B. die Kundinnen und Kunden bei den Befragungen folgende Leistungsmerkmale auf einer Notenskala von 1 bis 5:
Kompetenz und Freundlichkeit des Fahrers, Schiffsführers, Sicherheits- und Servicepersonals (je nach Verkehrsmittel); Fahrstil (bei Bus und Schiff); Haltestellenansage und –anzeige im Fahrzeug; Sauberkeit der Fahrzeuge und der Haltestellen; Zustand der Einrichtung von Fahrzeugen und Haltestellen; Klimatisierung der Fahrzeuge (Heizung/Lüftung); Vollständigkeit und Lesbarkeit der Haltestelleninformation; Ansage bei Betriebsstörungen; Sicherstellen von Anschlüssen im Abendverkehr; Funktion der Rolltreppen/Aufzüge (bei U- und S-Bahn).
Für alle Merkmale sind Zielwerte vorgegeben, die zu erreichen sind. Werden diese verfehlt, sind abgestufte Maluszahlungen fällig; werden sie übererfüllt, können die Unternehmen Extrazahlungen (Boni) verbuchen. Die Bonus- und Malusbeträge können insgesamt bis zu 5 Prozent aller Verkehrseinnahmen der Unternehmen ausmachen. Das ist immerhin ein Betrag von über 20 Millionen Euro.
Über die genannten Verkehrsunternehmen hinaus können später weitere Unternehmen am Qualitätssteuerungsverfahren teilnehmen. Es ist aber zu bedenken, dass das Verfahren auf die Bedingungen des großstädtischen Verkehrs ausgerichtet ist. Daher wird es im HVV-Erweiterungsgebiet bei Ausschreibungen oder Direktvergaben nur dann unverändert mitberücksichtigt, wenn das betreffende Verkehrsangebot dafür geeignet ist (z. B. im Stadtverkehr). Für die übrigen, ländlichen Netzbereiche kommt bei Abschluss neuer Verträge eine reduzierte, an die örtlichen Bedingungen anzupassende Variante zur Anwendung. Die Unternehmen des regionalen Schienenverkehrs dagegen unterliegen Verträgen mit den Ländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Diese enthalten Qualitätssteuerungsverfahren, die ähnlich strukturiert sind wie das HVV-Verfahren und entsprechend eine vergleichbare Wirkung entfalten.