27.05.2009
1. Immer mehr Fahrgäste – besonders im Berufsverkehr
Die Zahl der HVV-Fahrgäste ist 2008 um 3,3 Prozent auf 638,1 Millionen gestiegen (2007: 618,0 Millionen). Damit ist die Steigerungsrate noch höher als im Jahr 2007, als 2,9 Prozent Zuwachs erzielt wurde. Mit diesem Ergebnis verzeichnet der HVV die höchste Fahrgastzahl seiner 44-jährigen Geschichte.
Die Fahrgeldeinnahmen im HVV erhöhten sich um 5,1 Prozent auf 557,1 Millionen Euro (2007: 529,9 Mio. Euro). Darin enthalten ist die Einnahmensteigerung aufgrund der Tarifanhebung von Mitte 2007. Ohne diesen Effekt sind die Einnahmen um 4,0 Prozent gestiegen.
Die positive Fahrgast- und Einnahmenentwicklung resultiert in erster Linie aus einem enormen Nachfrageplus bei den Zeitkarten des Berufsverkehrs (Allgemeine Zeitkarten): Die Fahrgastzahl stieg hier um 7,4 Prozent. Besonders erfolgreich in diesem Segment ist das Großkundenabonnement (die Proficard) mit sogar 10,4 Prozent Zuwachs. Für neue Abonnenten sorgte auch das „Schnupper-Abo“, das an drei autofreien Sonntagen angeboten wurde. Alle Zeitkartenarten zusammengenommen, wurden 2008 durchschnittlich 700.000 Karten pro Monat verkauft, davon über 600.000 im Abonnement.
Der festzustellende Trend hin zu mehr Zeitkartennutzung wurde einerseits durch günstige wirtschaftliche und demografische Rahmenbedingungen (steigende Beschäftigten- und Einwohnerzahlen im HVV-Gebiet) unterstützt; andererseits hat der HVV sein Verkehrs- und Serviceangebot auch im vergangenen Jahr an vielen Stellen verbessert. Hinzu kamen in der ersten Jahreshälfte 2008 die extrem hohen Benzinpreise, die gerade Berufspendler zum Umsteigen veranlasst haben.
Für das Jahr 2009 erwartet der HVV trotz deutlich verschlechterter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen noch einen Fahrgastzuwachs von 1,2 Prozent. Die für das erste Quartal 2009 vorliegenden Zahlen weisen sogar 3,8 Prozent mehr Fahrgäste als im gleichen Zeitraum 2008 auf. Es ist aber davon auszugehen, dass im weiteren Verlauf des Jahres die Zuwachskurve flacher ausfallen wird.
2. Maßnahmen für die Fortsetzung des Erfolgs
Der HVV ist bestrebt, die hinzugewonnenen Kundinnen und Kunden zu halten und durch gezielte Angebotsverbesserungen weitere Fahrgäste zu gewinnen.
· Beispielsweise durch vertriebliche Neuerungen:
> Mitte Juni will der HVV das Handyticket-Angebot erweitern, das bisher noch auf die wichtigsten Einzel-/Tageskarten für den Großbereich Hamburg beschränkt ist. Zukünftig werden alle Einzel-/Tages- und Gruppenkarten für das gesamte HVV-Gebiet per Handyticket erhältlich sein. Gleichzeitig nehmen wir die Ergänzungskarten zu Zeitkarten in das Handyticket-Sortiment auf.
> Für nächstes Jahr hat der HVV den Start seines E-Ticketing-Pilotversuchs im Bezirk und Landkreis Harburg geplant. Mit der elektronischen Kundenkarte ergeben sich dann folgende Vorteile für die Fahrgäste: bargeldloser Kauf von Fahrkarten an den Automaten und in den Bussen im Versuchsgebiet und Rabatte auf Einzelfahrkarten bei Zahlung eines monatlichen Grundbetrags. Auch die Fahrkarte selber wird auf der Kundenkarte gespeichert. Später sollen auch HVV-Zeitkarten ins elektronische Ticketing einbezogen werden. Darüber hinaus kann die Karte künftig auch in anderen Regionen zum Fahrkartenkauf genutzt werden.
· Das Verkehrsnetz wurde und wird weiter ausgebaut. Einige Beispiele:
> Im Dezember wurde die S-Bahn-Verbindung zum Flughafen eröffnet. Bis zu 15.000 Fahrgäste nutzen täglich die neue Verbindung – rund 1500 mehr als prognostiziert. Für das Jahr 2009 erwartet die S-Bahn rund vier Millionen Fahrgäste. Gleichzeitig mit der Flughafen-Verbindung wurde das Angebot auf den Linien S1 und S11 verstärkt.
> Die Wochenend-Nachtdurchfahrt auf der U-Bahn-Linie U1 wurde im Dezember über Hamburgs Grenze hinaus bis nach Norderstedt verlängert.
> Im Verlauf des Jahres 2008 sind auf der neuen S-Bahn-Linie nach Stade bereits erhebliche Angebotserweiterungen vorgenommen worden.
> Mitte Juli 2009 wird der S31-Betrieb zwischen Neugraben und Harburg Rathaus montags bis freitags und am Sonnabend zwischen Harburg Rathaus und Hamburg Hauptbahnhof ausgedehnt.
> Auch auf der Linie S1 zwischen Blankenese und Wedel werden nachmittags acht zusätzliche Fahrten in den Fahrplan eingefügt.
Und im Busnetz:
> Seit Ende 2008 führt zusätzlich zu den Linien 3 und 6 die Linie 4 in die Hafencity. Gleichzeitig wurde die Linie 115 verstärkt und zur Metrobus-Linie 15 gemacht. In den ersten Monaten 2009 wurden dann die Fahrpläne der Linien 15, 22 und 6 weiter verdichtet.
> In der kommenden Woche wird der Fahrplan der Linie 146 zwischen Harburg und Finkenwerder erweitert und zwischen Geesthacht und Lauenburg wird die neue Nachtbuslinie 631 eingerichtet.
> Auch an der Einführung der im November angekündigten neuen Buslinien wird weiter gearbeitet. Hier nehmen die vorbereitenden, straßenbaulichen Arbeiten aber etwas mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich vorgesehen.
Im Haltestellenbereich:
> Das gemeinsam von der Stadt Hamburg, der Deutschen Bahn und dem HVV initiierte Programm zur Steigerung der Haltestellenattraktivität bei der S-Bahn wird auch 2009 fortgesetzt. Zusammen mit den Konjunkturprogrammen des Bundes und sonstigen Maßnahmen finden an 42 von insgesamt 56 Hamburger S-Bahn- und Regionalbahn-Stationen Baumaßnahmen statt. Damit werden an 75 Prozent der Haltestellen Verbesserungen verschiedener Art für die Fahrgäste umgesetzt. Einen Schwerpunkt bildet dabei der barrierefreie Ausbau: Bis 2011 sind hierfür insgesamt 14 Haltestellen vorgesehen. Für weitere sechs Haltestellen wird der barrierefreie Umbau planerisch vorbereitet. Im Rahmen der genannten Programme sind auch Maßnahmen zur baulichen Instandsetzung, Verbesserung der Wegeleitung, Erneuerung und Ergänzung des Mobiliars sowie zur Graffitibeseitigung vorgesehen.
Ein Beleg dafür, dass das verbesserte Angebot bei den Kundinnen und Kunden registriert wird, ist das von TNS Infratest regelmäßig erstellte Kundenbarometer: Für seine Leistungen im Jahr 2008 erhielt der HVV die Gesamtnote 2,68 (vor zehn Jahren noch 2,98) auf einer 5er-Skala, wobei die Note 1 für „vollkommen zufrieden“ und die Note 5 für „unzufrieden“ steht. Mit diesem Ergebnis belegt der HVV unter allen am ÖPNV-Kundenbarometer Deutschland teilnehmenden größeren Verkehrsverbünden den zweiten Platz.
3. Kapazitätsprobleme auf der Schiene: Grenzen des HVV-Wachstums?
Die stark steigenden Fahrgastzahlen führen zu Überlegungen darüber, ob das Netz des HVV auch künftig noch eine ausreichende Kapazität bietet. Diese Frage ist ernst zu nehmen, gerade weil im Zeichen des Klimaschutzes das Umsteigen auf die umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmittel weiter gefördert werden soll.
Alle Prognosen zum Bevölkerungswachstum sagen aus, dass sowohl in Hamburg als auch im unmittelbaren Umland die Bevölkerung zumindest bis 2025 weiter wachsen wird. Allein aus diesem Grund wird künftig nicht weniger, sondern mehr Kapazität im Personenverkehr benötigt.
Schon heute ist der Eisenbahnknoten Hamburg ein Engpass im Netz der Deutschen Bahn (DB), trotz Zweigleisigkeit und Elektrifizierung aller vom Personenverkehr befahrenen Hauptstrecken. Fern-, Regional- und Güterverkehr werden auf einer hochgradig ausgelasteten, teilweise überlasteten Infrastruktur abgewickelt.
Vor allem aufgrund des stark wachsenden Hinterlandverkehrs des Hamburger Hafens ist damit zu rechnen, dass der Güterverkehr auf der Schiene in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Dies gilt vor allem für den vornehmlich in Richtung Süden verlaufenden Containerverkehr. Aber auch der Hamburg tangierende Transitverkehr wird zunehmen. Hier ist der Skandinavienverkehr hervorzuheben, der nach der Fertigstellung der festen Fehmarn-Belt-Querung den Weg über Lübeck nehmen wird. Das Problem auch hier: Der zunehmende Güterverkehr steht in Konkurrenz zum Schienenpersonennahverkehr (SPNV).
Mögliche Ausbauprojekte
Unter den möglichen SPNV-Ausbauprojekten nimmt aus Sicht des HVV die Strecke Hamburg–Ahrensburg–Lübeck eine herausragende Stellung ein. Sie ist auf Hamburger Gebiet die einzige Strecke, auf der Regionalverkehrsbahnen (R‑Bahnen) Erschließungsaufgaben wahrnehmen – auf allen anderen Korridoren gibt es parallel S-Bahn-Strecken. Daher wurde die Frage einer Verlängerung der S-Bahn von Hasselbrook bis Rahlstedt oder Ahrensburg mehrfach thematisiert.
Durch die Verlagerung des heutigen Regionalverkehrs in Richtung Ahrensburg auf S-Bahn-Gleise würden im Hamburger Hauptbahnhof Entlastungseffekte eintreten, von denen nicht nur der SPNV auf anderen Relationen (z.B. mehr Durchbindungen zum Hamburger Hauptbahnhof aus Richtung Westerland), sondern auch der Fernverkehr profitieren würde. Für den Güterverkehr wären auf der Strecke Richtung Lübeck zusätzliche Trassen verfügbar, sodass hier erhebliche Wachstumsraten verkraftet werden könnten.
Der HVV setzt sich dafür ein, die Ausbaumöglichkeiten durch eine Machbarkeitsstudie zu konkretisieren.
4. Klimaschutz mit dem HVV
Hamburg ist von der EU zur Grünen Hauptstadt (Green Capital) 2011 gekürt worden. Dieser Titel ist unserer Stadt nicht zuletzt aufgrund des guten Nahverkehrs zugesprochen worden. Insofern fühlt sich der HVV verpflichtet, auf diesem Gebiet weiter eine hohe Qualität zu bieten und damit weitere Fahrgäste zu gewinnen. Verschiedene Projekte werden dazu beitragen:
In diesem Jahr wird es wieder zwei autofreie Sonntage geben, an denen die öffentlichen Verkehrsmittel im gesamten HVV-Gebiet kostenlos genutzt werden können. Beim zweiten Aktionstag im Herbst wird der öffentliche Nahverkehr im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen und der HVV wird wieder ein Probe-Abo anbieten.
Außerdem beteiligt sich der HVV an einem längerfristigen strategischen Projekt zur Stauverminderung durch Umstieg auf den Nahverkehr (= SUN). Die an diesem Projekt Beteiligten wie der Kreis Pinneberg, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein sowie verschiedene Verkehrsunternehmen im HVV haben sich ein umweltorientiertes Verkehrsmanagement für die Metropolregion Hamburg zum Ziel gesetzt. Hierfür sollen bestehende Klimaschutzinitiativen in der Metropolregion verzahnt werden und innovative Kommunikationstechniken für die künftige integrative Verkehrssteuerung und zum Erreichen der Klimaschutzziele eine wichtige Rolle spielen.