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27.05.2010

HVV-Jahresbilanz: Ansturm auf den HVV hält an

Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten kann der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) erneut auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken und kündigt neue Vorhaben an. 

1. Bilanz 2009 

Neuer Fahrgastrekord 

Der Fahrgastzuwachs hat sogar die eigenen Erwartungen des HVV übertroffen. Ging er Anfang vergangenen Jahres noch von einem Zuwachs von 1,2 Prozent aus, so zeigte sich nach Jahresende, dass die Fahrgastzahl 2009 tatsächlich um 2,8 Prozent auf nun­mehr 656,1 Millionen gestiegen ist (2008: 638,1 Millionen). Dies ist auch im Vergleich mit dem bundesweiten Zuwachs des Nahverkehrs von 1,3 Prozent ein ausgezeichnetes Ergebnis und bescherte dem HVV die höchste Fahrgastzahl seiner Geschichte. 

Das gute Jahresergebnis basiert in erster Linie auf einem immer noch sehr hohen Zuwachs bei den Zeitkarten des Berufsverkehrs von 3,7 Prozent. Dabei ist der Spitzen­reiter das Großkundenabonnement mit einem Plus von etwa 7 Prozent. 

Kräftig zugenommen mit plus 5,3 Prozent hat auch die CC-Karten-Nutzung, verursacht vor allem durch den von Hamburg gewährten Sozialkarten-Rabatt von 18 Euro. Zwar wird der Rabatt auch auf andere Zeitkarten gewährt, aber die derzeit rund 46.000 den HVV nutzenden Sozialkarteninhaber kaufen schwerpunktmäßig CC-Karten. Daneben weisen Semestertickets (+ 8,4 Prozent) und Seniorenkarten (+ 3,3 Prozent) ebenfalls einen überdurchschnittlichen Zuwachs auf. 

Alle Zeitkartenarten zusammengenommen, wurden 2009 durchschnittlich 721.000 Karten pro Monat verkauft, davon etwa 628.000 im Abonnement. Der vom HVV erwar­tete Rückgang bei Einzel- und Tageskarten blieb aus, stattdessen wurde ein – wenn auch geringer – Zuwachs von 0,4 Prozent erzielt, wofür in erster Linie die günstige Kurzstreckenkarte zu 1,30 Euro und die Gruppenkarten sorgten.  

Die Fahrgeldeinnahmen im HVV erhöhten sich 2009 um 5,7 Prozent (+31,5 Millionen Euro) auf 588,6 Millionen Euro. Davon resultieren etwa 13,5 Millionen Euro aus der Tarifanhebung vom 1. Januar 2009.  

Trotz weiter ungünstiger Wirtschaftsbedingungen erwartet der HVV auch 2010 eine steigende Fahrgastzahl. Dabei kommt ihm der außergewöhnlich schneereiche Winter zugute: Im Januar und Februar 2010 verzeichneten die Einzel- und Tageskarten ein Plus von 19 Prozent und auch die Monatskarten legten um 15 Prozent zu. Alle Fahrkartenarten zusammengenommen erzielten im ersten Quartal einen Zuwachs von 4,1 Prozent. Für das ganze Jahr 2010 rechnet der HVV bislang noch vorsichtig mit 1,0 Prozent mehr Fahrgästen im Vergleich zu 2009. 

Verbessertes Verkehrsangebot

Eine Grundlage für den Erfolg des HVV ist das auch im vergangenen Jahr wieder erweiterte Verkehrsangebot: 

> Im ersten Betriebsjahr der S-Bahn zum Flughafen nutzten 4,1 Millionen Fahrgäste das neue Angebot. 
> Die U-Bahn-Linie U1 fährt seit Beginn des Fahrplans 2009 in den Wochenendnächten über Hamburgs Grenze hinaus bis nach Norderstedt, Ende 2009 kam die Nachtdurch­fahrt der S-Bahn im Stundentakt nach Pinneberg mit Regionalbahnanschluss nach Elmshorn hinzu.
> Der morgendliche 10-Minuten-Takt auf der S3 zwischen Buxtehude und Neu­graben wurde morgens verlängert und nachmittags neu eingerichtet.
> Der S31-Betrieb zwischen Harburg Rathaus und Neugraben wurde ausgedehnt. 

Nachdem der HVV mit Beginn des Fahrplans 2009 eine Angebotsoffensive im Busnetz startete, sind im Rahmen dieser Offensive im März 2010 zwei weitere neue Verbin­dungen eingerichtet worden:

> Linie 213 zwischen Billstedt und Barmbek und
> Linie 167 von U-Bahn Berne über Farmsen bis Bahnhof Tonndorf 

2. AUSBLICK

Online-Ticket

In der zweiten Jahreshälfte wird der HVV seinen Fahrgästen erstmals Online-Tickets anbieten. Kundinnen und Kunden können sich dann über die HVV-Internetseite zu Hause Einzel- und Tageskarten kaufen und selber ausdrucken. Dabei wird auch ein Vorverkauf von bis zu sieben Tagen möglich sein.

Das Online-Ticket wird auf den Namen des Nutzers ausgestellt und ist durch verschie­dene Sicherheitsmerkmale wie beispielsweise einen 2-D-Barcode gegen Fälschungen gesichert. Die Bezahlung wird per Lastschriftverfahren oder Kreditkarte erfolgen.

Anstoß für die Einführung des Online-Tickets waren Vereinbarungen mit Veranstaltern, künftig Eintrittskarten mit HVV-Fahrtberechtigung (sogenannte Kombitickets) auch online verkaufen zu können. Dies wird ebenfalls in der zweiten Jahreshälfte möglich sein.

Erneuerung der Bushaltestellen im Norden

Nachdem im südlichen HVV-Erweiterungsgebiet bereits rund 4000 Bushaltestellen­masten auf HVV-Standard umgerüstet worden sind, werden ab Ende Mai 2010 nun auch in den nördlichen Umlandkreisen 2210 Bushaltestellen-Masten durch neue Masten im HVV-Design ersetzt und mit einheitlicher Fahrgastinformation wie Linien­nummer, Fahrplan und Tarifinformation versehen. Die meisten der neuen Masten wer­den in den Kreisen Herzogtum Lauenburg (1000 Masten) und Segeberg (950 Masten) aufgestellt. Die restliche Anzahl verteilt sich auf die Kreise Stormarn und Pinneberg. Begonnen werden soll in Bargteheide, bis Ende 2011 sollen alle Masten erneuert sein.

Notwendige Fortführung des Netzausbaus

Angesichts der stetig steigenden HVV-Fahrgastzahl ist ein weiterer Ausbau der Netz­kapazität unerlässlich, um die Qualität des Angebots aufrechterhalten zu können.

Ein wichtiger Baustein hierfür ist das von Hamburg geplante neue Stadtbahnnetz. Um die Stadtbahn gab es in den letzten Monaten in der Öffentlichkeit eine kontroverse Diskussion. Der HVV stellt sich eindeutig hinter die Pläne der Stadt. Eine moderne Straßenbahn kann im Vergleich zu Bussen deutlich mehr Fahrgäste aufnehmen und bietet zudem eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und vor allem mehr Fahrkomfort. Auch der HVV-Fahrgastbeirat, in dem neben normalen Fahrgästen 17 Verbände und Institutionen vertreten sind, spricht sich einstimmig für die Einführung der Stadtbahn aus.

Unter den möglichen Ausbauprojekten des Schnellbahnnetzes sieht der HVV die Verbindung Hamburg – Ahrensburg (heute Linie R10) als besonders vordringlich an. Eigene S-Bahn-Gleise (als Linie S4) würden auch auf dieser Verbindung einen dichten Taktfahrplan und weitere Stationen zur besseren Erschließung des Streckeneinzugs­bereichs erlauben. Deshalb lässt die S4 einen deutlichen Nachfragezuwachs erwarten.

Die Einfügung einer weiteren S-Bahn-Linie ist jedoch ein komplexes Vorhaben mit Auswirkungen auf die vorhandenen Linien. Heute werden sechs S-Bahn-Linien betrieben, die im Hamburger Innenstadtbereich zwei Trassen (über Dammtor und über Landungsbrücken) gemeinsam nutzen. Die Einfädelung der S4 muss so erfolgen, dass auch weiterhin ein stabiler Betrieb gewährleistet ist und bei Störungen oder Bau­arbeiten angemessene Ersatzkonzepte möglich sind. Um dies zu erproben, führt die DB Netz AG zurzeit eine Betriebssimulation durch. Der HVV begleitet diese, von einem externen Gutachter unterstützte Simulation. Die Nachweise für die genannten Anforderungen werden in Kürze erbracht sein. Notwendige bauliche und betriebliche Maßnahmen (z. B. zusätzliche Weichen und Abstellgleise oder Fahrlagenverschie­bungen) gehen als Vorgaben in die anschließend zu beauftragende Vorentwurfs­planung ein.

Finanzierungsgrundlagen sichern

Im Zusammenhang mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs kommt immer auch die Frage der Finanzierung ins Spiel. Diese ist zu einem wesentlichen Teil von Bundes­mitteln abhängig. Der Schienenpersonennahverkehr wird über Regionalisierungs­mittel finanziert, Investitionen in den Städten über das Gemeindeverkehrsfinan­zierungsgesetz (GVFG). Über die langfristige Sicherung dieser Grundlagen wird zurzeit politisch diskutiert. Beide Säulen sind auch in Zukunft unerlässlich. Der Bund muss daher trotz der schwierigen Haushaltslage langfristig Planungssicherheit für die Nahverkehrsbranche schaffen. Dazu gehört der Erhalt der Regionalisierungsmittel über das Jahr 2014 hinaus mit einer Dynamisierung um jährlich 2,5 Prozent. Außerdem muss für das GVFG, welches in 2019 ausläuft, dringend eine Ersatzregelung gefunden werden.

Zu einer wachsenden Stadt gehört auch eine wachsende Nahverkehrsinfrastruktur. Und zu ehrgeizigen Klimaschutzzielen gehören auch entsprechende Maßnahmen. Der Bund muss den Ländern und Gemeinden, auch Hamburg, im Rahmen seiner Finanzie­rungsmitverantwortung dabei dauerhaft und zuverlässig in ausreichendem Umfang helfen.